Wie war das mit dem Web anno 1990? - Bibliotheken und Archive in Nöten
Wir leben im Informations- und Wissenszeitalter. Gerade unsere heutigen neuen Technologien bringen
weltweit die Bibliotheken und Archive in große Schwierigkeiten. Riesige Datenmengen wollen gespeichert
werden und sollen auf lange Sicht erhalten bleiben.
Ein mögliches Szenario, welches
sich bereits in wenigen Jahren erfüllen könnte: Ein Student, angehender Historiker sucht für seine
Doktorarbeit Materialien und Originaldokumente zum Thema "Internet in Österreich". Er sucht dabei Texte aus
den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Leider vergeblich. Denn diese Dokumente sind nicht mehr erhalten.
Die heutige Wissensgesellschaft und die damit verbundene Datenflut stellen die
Bibliotheken und Archive vor enorme Probleme: Immense digitale Datenmengen sollen gespeichert und für
die Nachwelt erhalten bleiben. Und dies über einen langen, wenn möglich ewigen Zeitraum.
Die Erinnerung an ganze Abschnitte und Aspekte nationaler Geschichte, wie eben die Anfänge des Web in
Österreich, fällt so zusehends schwerer.
Von wegen Informationszeitalter. Gerade die neuen
Technologien und ihr rascher Wandel stellen weltweit die großen Bibliotheken und Archive, die
"Gedächtnisspeicher der Nationen", vor wachsende Probleme. Immense elektronische Datenmengen wollen
gespeichert und über lange Dauer erhalten werden. Dabei gilt das Problem der physikalischen Lebensdauer
digitaler Speichermedien unter Experten als eher zweitrangig.
Drängender ist die
Beantwortung der Frage: Mit welcher Maschine lässt sich jetzt Abgespeichertes in ein paar Jahren noch
auslesen? Etwa: Braucht man ein Computermuseum, damit man heutige CD-ROMs noch in 10 Jahren lesen kann? Wer die EDV-
Branche kennt, weiß, wie rasch Geräte, Programme, ganze Systeme veraltet
sind. Abgesehen von Wartungsfragen, denn der Computer müsste auch in 30 Jahren noch funktionieren. Es geht
weniger um die Haltbarkeit der Daten, als der Technologie. Kein Wunder, dass mancher Bibliothekar sich
wünscht, es gäbe weiterhin nur Papier. Natürlich hochwertiges, säurefreies Papier. Um dies zu
lesen braucht´s dann nur eine Brille.
Die radikale Aufgabenänderung für die Bibliotheken dieser Welt steht vor der
Tür: Was tun mit "dem Internet" bzw. seinen Inhalten? Immer mehr Publikationen existieren nur im Netz.
Eine Novelle des Mediengesetzes in Österreich verpflichtet die Verleger von CD-ROMs, ein Stück an die
Nationalbibliothek abzuliefern (galt bisher nur für Druckschriften). Aber der Online-Bereich
ist davon nicht erfasst. Perfekte Lösung gesucht.
Neben vielen offenen rechtlichen und technischen Fragen wird
weltweit über
zwei Varianten gestritten: Selektion oder Speichern des gesamten (nationalen) "webspace". Bei dieser gewaltigen
Menge an Daten stellt sich gleich wieder die Frage der Selektion: Was ist in 50 Jahren noch interessant? Das
Herunterladen des (nationalen) Web-Inhaltes ohne Selektion - wie es etwa die Schweden vier Mal pro Jahr
versuchen - ist ein ausuferndes Unterfangen. Noch dazu muß man hier unterscheiden zwischen statischen
und dynamischen Inhalten, will heißen: Liegt dahinter eine Datenbank, muss die mitgespeichert werden?
Nach
einer Studie der ETH-Zürich beträgt zudem die durchschnittliche Lebensdauer eines Web-Dokuments nur
zwei Monate. Keinen Anspruch auf Vollständigkeit gibt es beim Einsatz von "web-robotern": Solche
automatische Programme beginnen an einer Startseite und arbeiten sich dann von Link zu Link. Doch nicht alle
Web-Seiten sind verlinkt, niemand hat den Überblick. Die Technik alleine wird hier keine Lösung bringen,
noch dazu, wo die Experten heute noch über zwei verschiedene Ansätze diskutieren: Migration oder
Emulation?
Bei der Migration bräuchte man ein weltweites Standardformat um die Daten ständig in die
jeweiligen aktuellen Programmversionen und Hardwareformate umzukopieren. Vorteil: Die Daten sind immer auf
modernstem Format. Nachteil: Jeder Kopiervorgang beeinhaltet auch die Gefahr des Datenverlustes. Bei der
Emulation simuliert der moderne Rechner seinen "alten" Bruder und erlaubt es so, die alten Dokumente zu lesen.
Vorteil: Kein ständiges Umkopieren, Nachteil: Ein Quasi-Computermuseum wird benötigt. Auch der ORF
wird sein Archiv frühestens in 7 Jahren in digitaler Form vorliegen haben, wobei hier wieder zwei Faktoren
für die langwierige Umsetzung verantwortlich sind: Die gigantische Größe des Archivs und die
enormen Kosten für die angestrebte Digitalisierung.
Kritiker fragen daher bereits, ob wir diese Form der Vergangenheitsspeicherung überhaupt benötigen.
Andererseits: Menschen ohne Bücher haben keine Vergangenheit. Ohne Vergangenheit keine Zukunft? Tiere leben so.
Von vielen als Totgeburt bezeichnet
kränkelt das WAP-Handy mangels sinnvoller Anwendungen weiter vor sich hin. Da kam im Juli 2000 eine Pressemitteilung vom britischen Unternehmen
Logica, zusammen mit führenden japanischen Mobiltechnolgie-Lieferanten gerade recht: Das erste kommerziell verfügbare cHTML-
Gateway ist eingerichtet und damit ist es möglich, neue Internet Services auf Basis von Compact HTML
zu erstellen. Seitdem ist wieder Ruhe am WAP-Friedhof.
 Das kleine Display, elendiglich
lange Wartezeiten auf den eigentlichen Inhalt, teure Onlinegebühren, umständliche Bedienung und
wenig sinnvolle Applikationen. So beschreiben manche frustrierte Handyianer ihre Schwierigkeiten dem
WAP-Hype zu folgen. Die Grenzen des kleinen Displays und der entsprechend abgemagerten Wireless Markup-Language
(WML) haben auch schon so manchen Entwickler schlaflose Nächte bereitet.
Logica möchte nun den am japanischen mobilen Internet-Markt mit seinen über 11 Millionen Usern fest
etablierten cHTML-Standard auch in Europa zum Erfolg führen. Logicas cHTML Gateway, m-World Gate genannt, ist dabei
kompatibel zu bisherigen WAP Strategien.
Compact HTML ist dabei ein Auszug von HTML und liegt derzeit nur als Vorschlag beim W3C.
Über 15000 cHTML-Websites dominieren den japanischen mobilen Internet-Markt. Von der Hardware unterstützt
werden dabei Farbgrafik, animierte GIF´s, MIDI-Sound und in den neueren Versionen auch Java und 128-Bit SSL
Verschlüsselung. Dennoch darf bezweifelt werden, dass sich angesichts der bisherigen
Milliarden-Investitionen in den WAP-Markt und damit indirekt auch in WML eine mögliche
bessere Alternative wie cHTML durchsetzen wird.
Quellen und weiterführende Texte:
Pressemitteilung Logica
W3C - Compact HTML for Small Information Appliances
 Demnächst wird die bisher als Arbeitspapier vorliegende P3P-Spezifikation in der Version
1.0 (Privacy Preferences 1.0) als Standardempfehlung des W3C verabschiedet. Dies könnte einer der
wichtigsten Bausteine für eine europaweite Datenschutzkonzeption sein, aufbauend auf Transparenz und
technischer Zuverlässigkeit.
P3P ermöglicht es Website-Betreibern auf
einfache Art und Weise ihre Datenschutzpolitik auszudrücken und in ihre Sites entsprechend einzubauen.
Der um seine privaten Daten besorgte User hat mit P3P nicht nur eine größere Kontrolle über
die Verwendung seiner persönlichen Daten, sondern er hat auch einen Überblick darüber, wo er
welche Daten gelassen hat. Das auf XML basierende P3P 1.0 wird demnächst endgültig standardisiert
und nicht nur vom W3C mitgetragen, sondern auch von vielen Firmen und Datenschutzorganisationen. Mit P3P geht
auch die Hoffnung einher, einen europäischen Wettbewerbsvorteil durch diese Art von Datenschutz zu
lukrieren und damit auch ein Signal zu setzen, daß datenschutzwidrige Offerte in Zukunft keine Chance
mehr haben.
Quellen und weiterführende Texte:
Pressemitteilung Datenschutzbeauftragte
W3C - The Platform for Privacy Preferences 1.0 |
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