Querdenker - das Online-Magazin mit News zum Nachdenken
Nr. 11 - Januar/Februar/März/April 2003 - Entwickler-News aus dem Netz: Interessantes und Kurioses
Linie horizontal

Spürhund entwickelt -
Keynote findet Fehler in Webseiten

Qualitätsprüfungen für Internetseiten bietet die auf Performance-Messungen spezialisierte US-Firma Keynote Systems ab sofort an. Die Anwendung "Enterprise HTML Toolbox" soll dabei helfen, Syntaxfehler in Webseiten per HTML-Prüfung aufzuspüren und dann zu berichtigen.

Weitere Features der HTML Toolbox wie automatisierte Browser-Tests (Prüfung auf korrekte Darstellung der Webseiten unter Nutzung verschiedener Browser) oder auch Webseiten-Performance-Tests sollen für eine rasche Verbreitung des Tools sorgen. Auch die Optimierung der Performance bzw. Optimierung der Inhalte für Sehbehinderte auf Basis der "American With Disability Act" werden versprochen.

Hinderlich für die Verbreitung des an sich sinnvollen Tools dürfte allerdings der Preis für den Service sein: 2500 Dollar pro Monate für eine unlimitierte Nutzung. Zusätzlich muss auch noch Hardware von Keynote hinter der Firewall installiert werden. Zu diesem Preis ist jedenfalls die Nutzung des Service wohl ausschließlich für Grossfirmen mit Tausenden von Websites interessant.

Enterprise HTML Toolbox
Download-Link zum DataSheet

Gerät für Sehbehinderte -
Bilder lassen sich erfühlen


Das National Institue of Standards and Technology (Nist) hat ein Gerät entwickelt, mit dessen Hilfe Blinde elektronisch vorliegende Grafiken und Bilder aus dem Internet erfühlen können. Technisch gesehen arbeitet das Gerät ähnlich einem Plotter, der in diesem Fall die grafischen Informationen dadurch umsetzt, indem 3600 winzige Stifte an den passenden Stellen nach oben gedrückt und schließlich arretiert werden. Der Sehnbehinderte ist nun in der Lage die daraus entstandenen "Bilder" zu ertasten.

Blindengerechtes Nist-Logo

Derzeit liegt allerdings nur ein Prototyp des Gerätes vor. Verfügbarkeit und Preis stehen noch nicht zur Gänze fest, preislich dürfte man allerdings eine Grenze bei 2000 Dollar finden. Bisherige Techniken zur Verfügbarmachung von Bildinformationen für Sehbehinderte waren bislang nicht nur extrem teuer, sondern auch technisch sehr aufwändig. Zugleich hatten sie allesamt den Nachteil, das einmal ausgegebene Bildinformationen nicht mehr veränderlich waren.

Nist

XHTML 2.0 am Horizont-
XQuery-Implementierung von Fraunhofer-Institut


Das World Wide Web Consortium (W3C) zeigt einen ersten Entwurf von XHTML 2.0. Allerdings fehlen noch einige Bestandteile wie etwa Vergleiche zur Vorversion. Dennoch zeichnet sich die Struktur bereits ab und der Schritt zur totalen Modularisierung auf Kosten der Kompatibilität zu HTML-Vorversionen ist vorgezeichnet.

Auch ein erster Entwurf der jetzt eigenständigen XFrames wurde seitens des W3C veröffentlicht. Damit sind die aus HTML bekannten Frames nicht mehr Bestandteil von XHTML, sondern eine in jede XHTML-Anwendung einbindungsfähige XML-Anwendung. Unter der Bezeichnung IPSI-XQ hat das Fraunhofer-Institut eine Implementierung des momentanen Standes der Anfragesprache XQuery vorgestellt. IPSI-XQ baut auf dem Xerces-Parser der Apache-Group auf und ist in Java geschrieben. Ein Download ermöglicht Experimente auf dem eigenen Rechner.

W3C: XHTML 2.0
W3C: XFrames
Fraunhofer: IPSI-XQ
Fraunhofer: IPSI-XQ-Download
W3C: XQuery

Small-Screen Rendering -
"Grosse" Internetseiten für kleine PDAs


Die nordische Browserschmiede Opera hat eine neue Technologie vorgestellt, die es ermöglicht, normale Internetseiten für PCs auch komplett auf Handheld bzw. PDA-Bildschirme darstellen zu lassen. Die "Small-Screen Rendering" genannte Technologie verkleinert die Seite auf die Darstellungsgrösse des Bildschirms und ermöglicht so einen groben Überblick.

Einzelne Bereiche der Seite können dann vom User entsprechend vergrössert werden und erlauben damit einen Detailblick auf die Seite. Eine Tabellenkonvertierungsfunktion zur einfacheren Darstellung komplexer Strukturen komplettiert die Merkmale der neuen Technologie.

Laut Opera plant man die Einführung von Small Screen Rendering noch in diesem Jahr und arbeitet zu diesem Zweck eng mit den Herstellern der PDAs zusammen. Durch die Markteinführung verspricht man eine Kostenreduzierung alleine schon dadurch, dass weniger Webseitenvarianten entwickelt werden müssen. Freilich stellt auch diese Technologie einen gewissen Kompromiss mit dem Medium dar.

Operas Small-Screen Rendering

Erste Schritte zu SOAP 1.2 -
Lizenzgebühren weiterhin hinderlich


Als einer der ersten Softwarehersteller verzichtete die Vignette-Tochter Epicentric auf ihre Patentansprüche auf die in der geplanten neuen Version des SOAP-Protokolls 1.2 enthaltenen Techniken. Ursprünglich wollte der Hersteller für die genutzten Patente sogenannte RAND (Reasonable And Non Discriminatory)-Lizenzen kassieren.

Das vom W3C in der Entwicklung bereits abgeschlossene, verbesserte Web Services-Protokoll SOAP in der Version 1.2 kann voraussichtlich auch bis Mitte 2003 nicht veröffentlicht werden. Der Anspruch des Standardisierungsgremiums, dass das zu veröffentlichende Protokoll frei von Lizenzansprüchen Dritter sein soll, konnte bislang nicht gehalten werden. Dies ist auch der Grund für die weitere Verzögerung bei der Publikmachung der neuen Version.

Seit langem haben einige Firmen schwerwiegende Copyright-Bedenken bezüglich des Simple Object Access Protocols 1.2. Epicentric könnte nun bahnbrechend für jene Firmen sein, die als potentielle Patentinhaber an den verwendeten Technologien von SOAP 1.2 profitieren wollten. Ein Unternehmenssprecher von Epicentric möchte auch jene Firmen dazu auffordern, auf Lizenzgebühren zu verzichten und damit dem Standard zum Durchbruch zu verhelfen.

W3C-SOAP
Epicentric

Web Services Authentifizierung -
SAML 1.0 standardisiert


Auch die Konkurrenz von Microsofts Passport-Dienst, nämlich das Open-Source-Projekt Liberty Alliance, bleibt in Bezug auf die Sicherheit von Web Services nicht untätig: Die auf XML basierende Security Assertion Markup Language (SAML) wurde nunmehr vom Industriekonsortium OASIS standardisiert.

SAML 1.0 bewerkstelligt die sichere Authentifizierung in Web Services und fungiert dabei als Basis für die in Entwicklung befindliche Single-Sign-on-Technik der Liberty Alliance. In das Framework der offenen Sicherheitsinitiative wurden darüber hinaus viele weitere auf XML basierende Standards integriert, wie zum Beispiel XML Encryption, XML Protocol, XML Signature und SOAP etc. Die in diverse PDFs aufgesplitteten Spezifikationen zu SAML sind mit nebenstehendem Link auf die Seiten von Oasis zu finden.

SAML 1.0
W3C-Dokument zum Web Services-
Framework mit SAML

Web Services Basic Profile -
Working Draft veröffentlicht


Die Web Services Interoperability (WS-I)-Organisation hat nunmehr einen weiteren Schritt bei der Unterstützung von Web Services in Unternehmen gemacht: Weitere Web Services Spezifikationen, namentlich die "Web Services Basic Profile" (WSBasic) wurden Ende Oktober 2002 veröffentlicht.

Die WS-I versteht sich als Schirmherr all jener Aktivitäten, die sich in irgendeiner Form um die Standardisierung von Web Services kümmern. So wird auch versucht, eine gewisse Koordination zwischen den Bestrebungen von W3C und OASIS herzustellen. In diesem Sinne bringt das Web Services Basis Profile Implementierungsrichtlinien, die für eine Ordnung der Web Services-Technologien sorgen. Das Basis-Profil regelt die Koordination zwischen SOAP 1.1, WSDL 1.1, UDDI 2.0, XML 1.0 und XML Schema und bemüht sich damit um funktionierende, interoperable Web-Dienste.

Folgende Mechanismen werden mit WSBasic abgedeckt:

  • der Austausch von Web Services Protokoll-Elementen, normalerweise über das Netzwerk

  • Auflistung der mit einem Web Service verbundenen Messages sowie deren Implementierungsdetails

  • Implementierung von Metadaten, die der Auffindbarkeit der Web Services dienen

  • Einbau von Sicherheitsmechanismen zur Authorisierung, Authentifizierung und Privacy-Policies von Web Services

Das WS-I glaubt auch daran, dass mit der Veröffentlichung der Basic Profile-Implementierungsrichtlinien Unternehmensentscheidungen in Richtung Web Services und damit verbundener Produkte schneller fallen und eine leichtere Adaptierung möglich sei. Die Verantwortlichen erhoffen sich nun nach der Veröffentlichung des Arbeitspapiers weiteres Feedback von Entwicklern und betroffenen Unternehmen. In den nächsten Monaten soll dann die endgültige Version von WSBasic fertiggestellt werden. Außerdem sollen bis Jahresende eine Reihe von Tools im Zusammenhang mit Web Services publiziert werden. Darunter finden sich auch Test-Tools zur Überwachung und Analyse von Web Services. Beispiel-Applikationen zur Implementierung von Anwendungen, die auf WSBasic basieren, werden ebenfalls veröffentlicht.

WSBasic Working Group Draft

SVG 1.1. versus Flash -
Setzt sich Standard durch?


Der nunmehr in der Version 1.1 vorliegende Arbeitsentwurf der Scalable Vector Graphics (SVG) des W3C-Konsortiums lasst erneut Fragen über die Durchsetzungsfähigkeit des geplanten Standards laut. Die auf mathematischen Beschreibungen basierenden Vektorgrafiken zeigen naturgemäß Vorteile gegenüber gerenderten Formaten wie beispielsweise GIFs oder JPEGs. Den wesentlichsten Pluspunkt stellt wohl die Fähigkeit zur Anpassung von SVGs an die unterschiedlichsten Ausgabegeräte dar. Und dies auch noch bei vergleichsweise kleinen Dateigrössen.

Gleichzeitig zur SVG 1.1. - Spezifikation legt das W3C auch Modifikationen für mobile Plattformen vor: SVG Basic adaptiert den Standard für PDAs, während SVG Tiny die Ausgabe von Vektorgrafiken für Handys regelt. Man sollte also meinen, dass SVG rein technisch so manchen Vorzug gegenüber proprietären Techniken wie Macromedias Flash-Format bietet.

Alleine schon aufgrund der nahezu 100%igen Verbreitung des Flash-PlugIns wird es jedoch schwer für die "skalierbaren Vektorgrafiken" bezüglich deren Durchsetzung am Markt. Noch dazu wird für die SVG-Darstellung ebenfalls ein PlugIn notwendig, dass mit einer Download-Grösse von 2,2 MB rund 6 Mal "schwerer" wiegt als der entsprechende Flash-Player. Macromedia setzt auch weiterhin auf ihr Format und bislang plant auch keiner der grossen Browser-Hersteller eine Unterstützung für das SVG-Format in ihre Browser einzubauen. Lediglich einige wenige Programme wie beispielsweise Jascs WebDraw, ein paar Adobe-Produkte oder Virtual Mechanics Web Dwarf setzen bereits jetzt auf den neuen W3C-Standard.

W3C-SVG 1.1
Jasc-WebDraw
Adobes SVG-Viewer Installation
Virtual Mechanics-Web Dwarf

XForms 1.0 -
W3C bringt Web-Formular-Standard


Das besonders im 4. Quartal 2002 massenhaft Output produzierende W3C-Konsortium hat jetzt auch die ersten Standardisierungsempfehlungen für die XML-Spezifikation "XForms" vorgelegt. XForms soll die derzeit zahlreich verwendeten HTML-Formulare ablösen. Zu diesem Zweck stellt XForms eine Reihe von Formaten für Web-basierende Formulare und dazugehöriger Auswertung dem Entwickler zur Verfügung.

Der besondere Vorteil von XForms liegt in der dynamischen Anpassung der Formulare, losgelöst von den jeweiligen Inhalten. Dadurch lassen sich Formulare einmal erstellen und dann - ähnlich zum SVG-Format - auf unterschiedlichsten Plattformen - etwa PDAs oder PCs - darstellen. Microsoft legt mit dem in diesem Jahr erscheinenden Office 11 und XDocs ein ähnliches Vorhaben an den Tag, beschränkt sich hierbei jedoch auf den Einbau in die entsprechenden Office-Anwendungen.

W3C-XForms 1.0
XForms-Tutorial

Linie horizontal

see-programming  |  querdenker  |  Ihre Meinung